BARF für Fortgeschrittene: Innereien erklärt (Leber, Niere & Co.) 🍲

Innereien sind die Mikronährstoff-Schaltzentralen im Napf – richtig eingesetzt liefern sie Vitamine, Spurenelemente und „unsichtbare“ Benefits fürs Fell, die Haut und die Vitalität. Hier findest du die fortgeschrittene Version: klare Mengen, clevere Rotationen und Troubleshooting, wenn Leber & Co. mal „zu gut“ wirken.

English Summary

Advanced BARF guide to organ meats: keep about 10% organs weekly, split into ~5% liver and ~5% other organs (kidney/spleen/lung; tripe as its own add-on). Rotate across species, split liver into small servings, and use the stool traffic light to fine-tune (too “livery” → softer/yellowish stool; adjust down and balance with kidney/lung). Handle organs cold, portion and freeze in snack-sized packs, and keep heart counted as muscle meat. Tripe supports enzymes/fiber and helps stool texture.


1) Was zählt überhaupt als „Innerei“?

  • Echte Innereien: Leber, Niere, Milz, Lunge, Pansen/Blättermagen, ggf. Bauchspeicheldrüse.
  • Herz gilt ernährungsphysiologisch als Muskelfleisch (top Nährstoffprofil, aber bitte nicht als Innerei rechnen).
  • Pansen/Blättermagen ist ein Spezialfall: liefert Enzyme/Fasern – je nach Schule als „Muskelfleisch plus“ oder als eigene Kategorie geführt. In der Praxis: separat einplanen, nicht aus dem 10-%-Innereien-Topf klauen.

2) Praxis-Aufteilung (Erwachsene, Erhaltung)

Startpunkt (bewährt):

  • ≈ 10 % Innereien von der gesamten Wochenfuttermenge, davon
    • ≈ 5 % Leber
    • ≈ 5 % „andere Innereien“ (Niere, Milz, Lunge; gern rotierend)

Feintuning für Fortgeschrittene

  • Sehr empfindliche Hunde: Leber auf 3–4 % senken, den Rest mit Niere/Milz auffüllen.
  • Hoher Pansen-Anteil in der Woche? Lass die „anderen Innereien“ bei 3–4 % und belasse Leber bei 4–5 %.

Rechenhilfe (Formel):

Innereien/Woche (g) = Wochenfutter gesamt (g) × 0,10
Leber/Woche (g) = Wochenfutter gesamt (g) × 0,05
Andere Innereien/Woche (g) = … × 0,05

Beispiel (mittelgroßer Hund, 2,3 kg Wochenfutter):

  • Innereien gesamt ≈ 230 g
  • davon Leber ≈ 115 g
  • andere Innereien ≈ 115 g (z. B. 60 g Niere + 55 g Milz)
Buffy & Sean-Tipp: Teilt die Wochenmengen auf 2–3 kleine Portionen – „Leber-Raketen“ in einer einzigen großen Mahlzeit vermeidet ihr so elegant.

3) Nährstoff-Highlights (Kurzprofil)

  • Leber: (Achtung Power!) Vitamin A, B-Vitamine, Kupfer → zu viel auf einmal kann weichen/gelblichen Kot, gelegentlich Übelkeit auslösen.
  • Niere: B-Vitamine, Selen, gut für die Abwechslung; geschmacklich mild, oft sehr gut akzeptiert.
  • Milz: Eisen-Champion – hilfreich, wenn das Fell „müde“ wirkt; in zu großen Mengen kann der Kot sehr dunkel werden.
  • Lunge: Mager, voluminös, „leicht“ – ideal zum Verdünnen bei sensiblen Mägen.
  • Pansen/Blättermagen: Enzyme, Mikrobiota-Goodies, Ballaststoffe – top für die Kot-Textur.
  • Bauchspeicheldrüse (Pankreas): enzymreich; bei wirklich empfindlichen Hunden sparsam testen.

4) Wochen-Rotation (2 Beispiele)

A) Klassisch, mild

  • Mo: Leber + Lunge (klein)
  • Do: Niere
  • Sa: Milz

B) Sensibel, superfein gesplittet

  • Mo: Leber (winzig)
  • Mi: Niere (klein)
  • Fr: Milz (klein)
  • So: Lunge (klein)
Regel: Lieber häufiger klein als selten viel – die Kot-Ampel wird’s euch danken.

5) Verträglichkeit & „Kot-Ampel“

  • Zu „lebrig“: weicher/gelblicher Kot, gelegentlich „urps“ → Leberanteil senken, Leber strenger splitten, nächsten Innereien-Termin auf Niere/Lunge verlagern.
  • Zu wenig Innereien (langfristig): matter Fellglanz, „läuft so vor sich hin“ → Rotationen konsequenter durchziehen, Milz-Mini einbauen.
  • Perfekt: gut geformter Kot, Fell wirkt „wach“, Energie passt.

6) Einkauf, Hygiene, Handling

  • Kaltkette: Innereien sind empfindlicher als Muskelfleisch → zügig kühlen/frieren.
  • Portionieren: Wochen-Päckchen in Snack-Größe (z. B. 30–60 g) einfrieren; so bleibt die Küche sauber.
  • Geruch: Niere/Milz sind oft „freundlicher“; Lebergeschmack lässt sich mit Pansen-Crumbs überdecken.
  • Schneidebrett & Messer getrennt von Menschenkost, Flächen direkt reinigen. (Siehe euer Hygiene-Video.)

7) Typische Fragen (Advanced)

„Herz – wohin damit?“
Muskelfleisch. Gern 1–2×/Woche als Teil der Fleischration (super Taurin/CoQ10-Profil).

„Wie viel Pansen ist sinnvoll?“
→ 10–20 % der Wochenration sind praxistauglich. Bei sehr weichem Kot Pansen leicht runter, bei harten Kots die Faserquelle hoch.

„Innereien roh oder angegart?“
→ Roh ist Standard. Sehr empfindliche Hunde: kurz anrösten/überbrühen – Nährstoffe bleiben weitgehend erhalten, Akzeptanz steigt.

„Kupfer/Leber übertrieben?“
→ Wechselt Tierarten (Rind/Lamm/Geflügel), splittet Leber klein, und achtet auf Langzeit-Signale (Fellfarbe, Energie). Bei anhaltenden Auffälligkeiten: Check mit der Praxis.


8) Schnell-Workflow „Innereien ohne Chaos“

  1. Wochensumme rechnen (s. Formel).
  2. Direkt nach dem Einkauf: Portionen abwiegen, beschriften, frosten.
  3. Im Wochenplan 2–4 „Innereien-Slots“ markieren.
  4. Kot-Ampel beobachten → nächste Woche feinjustieren.

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